Freitag, 1. Februar 2008

sOnNe,StRaNd & MeEr

Was tut ein Student, um sich von den ersten zwei Wochen Uni zu erholen und um sich abzulenken, weil er die Brilinger Fasnet verpasst? Genau! Ab an den Strand!

Bis die Tage :-)

Adios amigos!

Freitag, 25. Januar 2008

Auf zu neuen Taten! Vorbei ist sie, die Zeit des Gammelns und des Müßiggangs. Willkommen heißen, wollen wir mein neues Semester!!!

Viel geändert hat sich allerdings nicht, schließlich bin ich immer noch an der kleinen, aber feinen Universidad Panamericana. Eine große Neuerung dürfte die Tatsache sein, dass in diesem Semester kaum deutsch gesprochen wird, bei nur drei Deutschen, im Vergleich zu den rund 20 Deutschen und Österreichern des letzten Semesters kaum verwunderlich…aber allemal begrüßenswert :-)

Auch die nette Tradition des Willkommens-Frühstücks wurde weitergeführt, schön war’s, lecker war’s und außerdem gab’s noch ein UP-T-Shirt als Schmankerl obendrauf (wohl der Vorteil, wenn nur knapp 20, statt 45 Austauschstudenten da sein).

Was gibt es sonst noch zu berichten, von meiner ersten „Arbeits-Woche“? Ach ja, wer rastet der rostet! Darum und natürlich zum Ausgleich für die überaus brutalen, anstrengenden und hochintellektuellen Seminare bin ich nun Mitglied in einem ganz tollen Fitness-Club. Dort trainiert der künftige Fußballnachwuchs der populärsten Fußballmannschaft Mexikos, den Chivas…naja, für mich als Nicht-Fußball-Fanatiker kein Grund, 500 Pesos im Monat zu zahlen, auch wenn die ganzen Einrichtungen in ökologisch Vorbildlichen Designergebäuden untergebracht sind, wie Nacho (ja Nacho), der dortige Chef nicht müde wurde, zu betonen. Ich frage mich aber, wodieses SUUUPER-Umweltbewusstsein aussetzt, wenn rund um die Uhr diese schreckliche Muckibude-Mucke aus den Boxen dröhnt, egal ob jemand da ist oder nicht…Wie dem auch sei, ich bin dabei. Handeln lohnt sich übrigen in Mexiko wirklich sehr, denn so kann man auch für 300 Pesos (20 Euro) im Monat, statt dem „untersten möglichen Preis 500 Pesos“, „dem einmaligen Studentenrabatt nur für UP-Studenten 500 Pesos“, „dem tollsten Angebot aller Fitnessclubs 500 Pesos“, ein Bisl Sport machen :-)

In diesem Sinne: „Keine Chance der Tacokonsum bedingten Fettleibigkeit!“

Freitag, 18. Januar 2008

RuHm & ScHLaGzEiLeN

Ohnmächtig hob ich meinen Kopf von den verschränkten Armen. Nur langsam erklarte sich der, einem Schleier überdeckt gleichende, Blick. Salzverkrustete und von roten Adern durchzogene Augen blicken mich aus dem Spiegel über dem Schreibtisch traurig an. Mein Kopf schmerzte und erst jetzt merkte ich, dass die Ärmel meines beigen Pullovers von unzähligen Tränen getränkt und dunkel gefärbt waren.

Wie lange musste ich wohl bitterlich geweint haben? Waren es Minuten? Stunden? Oder gar Tage? Es waren vermutlich, mit aller nötigen Realität betrachtet…Monate…

So fühlte es sich also an, das Scheitern, die Einsicht, das Ziel nicht zu erreichen. Dahin war er, der Traum von den blühenden Landschaften. Gescheitert war ich, auf meiner glorreichen Mission. Bildlich lag ich verwundet auf dem Boden, unfähig mich weiter zu bewegen…“Geht ohne mich weiter! Mein Weg endet hier! Ich sterbe, aber die Idee muss in Euch weiter leben! Geeeeehhhhhhhht!!!!!!!“ Nie würde ich zum aufstrebenden Stern des Klatschreporter-Firmaments werden. Nie würde ich es auf die Bild-Seiten schaffen, direkt über die 21-jährige Studentin Mandy, die trotz Hochschulstudium nicht in der Lage war, das Glas Milch zu trinken, ohne es über ihren (trotz Minus 15 Grad in der Plattenbauwohnung), entblößten Oberkörper zu kippen. Aber was, wenn die arme Mandy einfach Epileptikerin war und sich, dank fortschreitender, gesellschaftlicher Verarmung, keinen, sagen wir beigen Pullover leisten konnte??????????

Wie konnte ich es zulassen, so zu handeln, getrieben von elendiger Trägheit, einer der sieben Todsünden. Würde ich in Dantes Purgatorium schmoren? Wie viele Milliarden Jahre? Vielleicht würde ich den ein oder anderen Ablassbrief besorgen können, um mein Höllendasein auf einige wenige Millionen Jahre zu verkürzen…schließlich befand ich mich ja in einem erzkonservativen Land mit einer Katholikenrate von über 90 % und außerdem mussten ja irgendwie die vielen prachtvollen Kirchen in Stand gehalten werden.

Wieder und wieder liefen meine Erinnerungen wie in einem Film vor meinem inneren Auge ab…da war es, als ich zu Haustür heraus trat, das auf dem Dach liegende Taxi, am helllichten Tag. Kein Wunder, dass betrunkene Mexikaner lieber Unfälle hinterm Steuer des eigenen Autos bevorzugen, als sich und ihr Leben in die Hände von Bus- und Taxifahrern zu begeben. Doch was tat ich, außer kurz (eigentlich zu kurz) zu gaffen, ebenso wie die mexikanischen Großfamilien, die von überall herbeigeströmt kamen. Ich ging von dannen. Ja ich ging von dannen. Rühmte ich mich nicht immer mit „ah uh ätsch, juchhe, ich habe eine neue Kamera!!!“ Und nun wo war sie? Sie lag wohl behütet in meinem Zimmer. Und was tat ich? Ich ging von dannen…wieso konnte ich nicht die paar Stufen hinaufstürmen, die Kamera in die Hand nehmen und ein paar Fotos schießen? Dann noch ein paar Zeilen blabla dazu und der Pulitzer-Preis wäre mir sicher gewesen, da bin ich mir ganz ganz sicher!!! Verdammt! Nunja, ich ging von dannen. Ebenso wie ich damals keine fünf Häuser weiter ging, als die Küche der Nachbarn in die Luft flog…wo war meine Gier nach menschlichem Leid und der Sucht nach Schlagzeilen???


DA, da war es! Ich fand es wieder, dieses Gespür, dieser siebte Sinn für das Unmenschliche, das Abnormale. Das Gespür für die Abstrusitäten des menschlichen Seins!!! Schnell die Digi-Cam auf die kleine Kanadierin gerichtet, sichergestellt, dass keine versteckten Radiogeräte an waren und losgefilmt. Nunja, auf das Geld von der Zeitung, sowie der NASA warte ich noch. Aber die Erika hab’ ich auch nicht mehr gesehen, seit sie von den Herren in den schwarzen Anzügen und den schwarzen Sonnenbrillen mitgenommen wurde…


Dienstag, 8. Januar 2008

rEiSeLuSt

Vorbei war sie, die Zeit des Gammelns. Besuch stand an, die Blutsverwandtschaft in Form meiner Schwester, man nenne sie an dieser Stelle Santa Caterina.

Also schnell ein Bisl Sightseeing in Tequila (wir waren gar nicht betrunken *schnief*) und Guadalajara gemacht, dann noch zwei Tage in einer der wohl schönsten Städte Mexikos, Guanajuato, vier Stunden nördlich von Guadalajara. Weihnachten dann in besinnlicher Runde mit Tim und Ivonne und einem großen Braten…und dann auf zur großen Reise…

Eine Reise voller Eindrücke, Erfahrung und toller Lach- und Sachgeschichten. Eine Reise durch den südöstlichen Teil Mexikos, eine Reise mit Stationen, wie Merida, Campeche, Palenque, San Cristóbal de las Casas, Oaxaca, Puebla, Mexiko Stadt. Eine Reise ebenso geprägt von tausenden Bus-Kilometern, tausenden überwundener Höhenmeter und gefühlten tausenden Grad Temperaturunterschied, von tropisch schwül, über trocken heiß, bis hin zu winterlich-zieh-zwei-T-Shirts-nen-Pulli-ne-dicke-Jacke-und-eine-noch-dickere-Strickmütze-an.

Auch war es eine Reise durch die Geschichte des Landes, ist doch besonders der südliche Teil Mexikos bekannt für seine archäologischen Stätten, in denen vor langer Zeit Mayas, Zapoteken und Azteken ihre gewaltigen Städte inmitten des Dschungels errichteten…kein Rad, keinen Lastenkran, und keine Eisenwerkzeuge kennen und dann solche Pyramiden und Tempel bauen…wie langweilig kann einem sein?...oder war es eine höhere Macht??? Dam-dadam-dam…muahaha. Neben kulturellen Sehenswürdigkeiten war es natürlich auch eine kulinarische Reise, mit frittierten Heuschrecken (natüüüürlich mit Chili und Limette) oder auch der berühmten Mole Poblano, die eher schmeckte, wie etwas cremigere Nutella…und das zu ’ner Hähnchenbrust…dann doch schnell mit viel Mezcal (Schnaps, der auch wie Tequila aus Agaven hergestellt wird) spülen…aber nur mit Wurm, versteht sich!

Zu lange wäre dieser Beitrag, über die vergangenen knapp zwei Wochen, wollte ich alles genau erzählen. Und auch die Anzahl der Fotos hält sich hier in Grenzen, schließlich würden die gemachten 1500 Bilder sämtliche Grenzen und Kapazitäten sprengen…

Auf unserer Reise gab es unzählige Highlights, wie etwa dem Übernachten im Dschungel von Palenque, mit Brüllaffengeschrei im Hintergrund und einem Sternenhimmel, wie man ihn nur fernab von Städten erleben kann. Oder aber auch unserem Aufenthalt auf dem Busbahnhof von Zapata, wo uns ein doch nicht unerheblich alkoholisierter Mexikaner das Leben retten wollte, in dem er uns gestenreich und schätzungsweise 387 Mal verbot, in Agua Azul zu baden, weil da quasi alle ertrinken, die da rein gehen…ja, der „Bademeister von Zapata“ und die wohl riesigste Kakerlake dieses Planeten, die auf dem Rücken liegend, im Hintergrund, eine BreakDance-Einlage zum Besten gab, das war schon was. Oder beim Ausflug nach Agua Clara, die Suchaktion nach unserem holländischen Freund Bert, den wir schon von Zapatisten in den Dschungel verschleppt sahen. Kurz bevor man Berts Sohn Bart das Beileid aussprechen konnte, kam Bert aber gut gelaunt…vom Baden. In San Cristóbal de las Casas war es wirklich super, die koloniale Stadt mit der indigenen Prägung hat was…auch kalte Nächte (2300 Meter über Meeresspiegel)…vielleicht wären die kalten Nächte nur halb so schlimm gewesen, das Schlafen in Socken, mit Handtuch umwickelten Füßen und Pullover nicht nötig gewesen, wenn wir früher drauf gekommen wären, dass das Fenster weit offen stand...

Ja und dann war da noch das große Silvesterfest 2007/2008…aber nein, die Zeit war knapp bemessen, also über Nacht von San Cristóbal nach Oaxaca, sind ja auch nur 11 Stunden Fahrt…Aber so schnell lassen sich die an festiver Erfahrung reichen Obergfell-Geschwister nicht unterkriegen, also schnell noch Bier gekauft für die Fahrt und die rauschende Busparty…ein müder Blick auf die Uhr, es ist 10 vor 12…aaaah *gähn* weiterschlafen…so toll ist Silvester an sich ja eh nicht, im Allgemeinen ja sowieso total überbewertet…

Lange (eigentlich verhältnismäßig kurz) Rede, kurzer Sinn: Schaut Euch die Fotos an, seid neidisch auf mich und nehmt Euch vor, eines Tages auch den Süden Mexikos zu erkunden…es lohnt sich definitiv!


Montag, 24. Dezember 2007

FeLiZ nAvIdAd

Liebe Festgemeinschaft, liebe Freunde, Gönner, sehr verehrte Damen und Herren. Das Wiegenfest eines Wanderpredigers und zugleich Urvat aller Hippies wiederholt sich ein 2007tes Mal und auch das Jahr neigt sich dem Ende zu.

Leider ist es mir auf Grund höchsten Freizeitstresses nicht möglich umfassend zu berichten und zu Grüßen, da meine Schwester ihrem kleinen Bruder seelischen Weihnachtsbeistand leistet und es morgen auf die Yucatan-Halbhinsel geht, von wo aus wir zu einer kleinen großen Reise durch den südlichen Teil Mexikos aufbrechen. Im Januar...irgendwann...wird dann aber ein großer Reisebericht mit viiiiiieeeeeelen Bildern folgen.

Euch da draußen in der weiten Welt wünsche ich von dieser Stelle aus ganz einfach ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest im Kreise der Menschen, die man am liebsten hat und ebenso wünsche ich Euch eine guten Rutsch und einen guten Start ins neue Jahr!

Feliz Navidad y próspero Año Nuevo

Don Juan und seine Schwester Santa Katharina

Mittwoch, 19. Dezember 2007

WeLtSpRaChE

Unsere Erde, der blaue Planet. Ein Sammelsurium von sechs Kontinenten (ja, ich weiß, die Meinungen gehen auseinander, ich zähle Nord- und Südamerika getrennt, Eurasien jedoch als einen Kontinent). Ein Sammelsurium aus 192 Staaten (nach Zählweise der Vereinten Nationen), ein Sammelsurium rund 5200 Völkern, ein Sammelsurium von über 6500 Sprachen.

Doch es gibt eine Sprache die alle Menschen dieser Welt vereint. Diese Weltsprache ist der Sport. So ist es auch für einen Jungen aus dem Schwarzwald möglich, mit der Sprache des Sportes im fernen Mexiko zu sprechen und Gleichgesinnte zu finden zum kulturellen Gedankenaustausch („Pinche mierda“- Eine Einführung in das richtige Fluchen, oder auch: („Hallo hallo schöne Frau“ – ein bilateraler/ bilingualer Konsens über das hervorragende Aussehen vorbeigehender Menschen des weiblichen Geschlechts) und eben um auch mal die Hockeyschläger zu kreuzen. Nun gut, auf 1600 Höhenmetern und morgens schon zu hochsommerlichen Temperaturen (wie wird es dann erst im Hochsommer, wenn es jetzt, im Hochwinter schon so ist, wie bei uns im Hochsommer?), zudem noch mit einem Puck statt mit einem Ball…der Mensch ist ein Gewohnheitstier…und gewöhnt sich auch schlimmste Bedingungen…zumeist. Nicht möglich ist es jedoch, sich an den samstäglichen Trainingsbeginn um 8 Uhr morgens zu gewöhnen…das ist einfach unmenschlich…dann doch lieber in der Mittagshitze. Und zu allem Überfluss auch schon Spielanpfiff um 9:30 Uhr, wenn Sonntags mal wieder ein Spiel der Hobbyliga ist…gibt es denn keinen Gott des Ausschlafens???

Aber vielleicht soll es so sein…aktiv im Kampf gegen das Taco-Hüft-Fett…es hilft…sogar das aus Deutschland mitgebrachte Hüftgold schwindet…Kilo für Kilo…

Nun müssen die Mexikaner nur noch lernen, dass es trotz allem nicht toll ist, wenn man zweistellig gegen den Gegner verliert, auch wenn da der beste Inlinehockeyspieler des Landes und zugleich Trainer der Staatsauswahl von Jalisco mitspielt. Besonders ist es nicht toll, wenn neben dem Trainer noch ein Mädel in der gegnerischen Mannschaft spielt, das ein Tor nach dem anderen schießt…ok, sie sah nicht wirklich aus wie ein Mädchen, eher wie ein böser Junge…oder eine Fußballerin…

…schade das Checken verboten ist :.-(


PS: Falls wir irgendwann mal eines der nächsten Spiele im neuen Jahr gewinnen sollten, werde ich dies hier natürlich sofort kund tun ;-)

Mittwoch, 12. Dezember 2007

vOn ScWuLeN sTiErEn


Es waren einmal…

…eine Gruppe kleiner, spanischer Jungen, die keine Freunde hatten außer sich selbst…

…diese Jungen liebten es, Fliegen die Flügel herauszureißen und auch sonst allerlei Getier zu quälen. Doch eines Tages waren aus den kleinen Jungen große Jungen geworden. Mittlerweile befriedigte es die Jungen nicht mehr, kleine Tiere zu quälen, nein jetzt musste was größeres herhalten. „Wie wäre es mit Stieren?“ fragte einer eines Tages. „Ja, aber Stiere sind groß und können sich wehren und uns ganz doll aua machen.“ Antwortete ein anderer. Doch da hatte der Dritte im Bunde eine Idee „Dann lasst uns die Stiere einfach zusammen quälen, dann macht’s auch mehr Spaß.“ Und so beschlossen die Jungen, von nun an Stiere zu quälen, und weil die Jungen zudem schwul waren, zogen sie sich auch gleich noch viel zu enge, viel zu bunte und überhaupt viel zu schreckliche Kostüme an. Aber sie freuten sich „Schau mal, ich bin Rechtsträger *hihihihi*“ oder „Haha, ich kann den Pickel auf deiner linken Arschbacke sehen *hihihihi*“ hörte man es fortan aus den Katakomben der Stierkampfarena schallen.

Die Aufgabenteilung war streng geregelt, wenn es zum Quälen der Tiere kam, so durfte der Picador mit seinem Pferdchen erstmal eine Lanze in den Rücken des Stieres bohren, bevor der Banderillero scharfe Metallstäbe tief in das Fleisch des Stieres bohrte, damit der Stier sich selbst, mit jeder Bewegung mehr und mehr das Fleisch und seine Muskel zerschnitt. Dann kam er der große Augenblick, der Matador, zu Deutsch der Töter, betrat die Arena, im war es zuteil, den Stier zu richten und das alles nur, weil er am Tag zuvor beim Kekswichsen gewonnen hatte… aber so waren sie schon immer gewesen, die drei schwulen Jungs, dem tollsten sollte es vorbehalten sein, das Opfer zu erlegen. Und so kam es, dass immer mehr Jungen in viel zu engen, viel zu bunten und überhaupt viel zu schrecklichen Kostümen begannen Stiere zu quälen und zu töten, eine Tradition begann, die sich bis auf das weit entfernte Lateinamerika ausbreiten sollte. „Alles fair, beide, Stier und Matador können ja gewinnen…“, nein, diese Aussage war falsch. Zu schwerwiegend waren die Verletzungen durch Picador und Banderillero, als das der Stier, dessen Blut aus vielen Wunden unaufhörlich hervorsprudelte eine Chance gegen das vor Heldenmut und Arroganz fast platzenden, mit einem roten Tuch wedelnden Menschlein haben würde. Und überhaupt wieso rot? War doch der Stier von Geburt an farbenblind…

Doch hin und wieder wurde das Tragen der viel zu engen, viel zu bunten und überhaupt viel zu schrecklichen Kostüme bestraft. Nämlich wenn ein schwuler Stier die Arena betrat. Nein, diese Stiere interessierte es nicht, ob da ein Tuch gewedelt wurde, der Fokus war gerichtet auf ganz andere Wedelobjekte, mal lags links, mal rechts und wenn nicht, dann gab’s ja immer noch die Option nahe des Pickels auf der Arschbacke. Aber leider war diese sexuelle Ausprägung bei Stieren viel zu selten.





Eines Tages, jedoch ereignete sich ein ganz besonderes Schauspiel. Pajarito, zu Deutsch Vögelchen, ja das war der Name des Stieres, schon seit Geburt, nicht er seit seinem Auftritt in der Arena. Er freute sich, endlich mal ein Bisschen Bewegung, doch als die Tür aufging, was war das? Ein schwuler Junge in einem viel zu engen, viel zu vielleicht bunten (Pajarito konnte ja keine Farbe erkennen) und überhaupt viel zu schrecklichen Kostüm. Und weil Pajarito eine überaus empfindliche Seite besaß und zudem stock-hetero war, wollte er nach dem Anblick des linkstragenden, Arschpickelmannes nur noch eines, auf und davon fliegen. Also nahm er Anlauf. Aber wohin? Einfach mal der Nase nach und weg vom Arschpickel. Oh eine Wand…egal…ah, die Leute schauen, genau so erschrocken wie ich, die sind sicher auch hetero, also Vollgas… Und so lernte das kleine, zart besaitete Vögelchen fliegen…




Und die Moral von der Geschicht…

…leider sind viel zu wenige Stiere schwul und leider können noch viel weniger Stiere fliegen. Und leider gibt es immer noch viel zu viele große Jungs, die sich gerne in viel zu enge, viel zu bunte und überhaupt viel zu schreckliche Kostüme pressen, nur um Stiere zu quälen und dann wenn sie es ganz toll gemacht haben, ein Ohr als Trophäe bekommen…toll, ein abgeschnittenes Stierohr im Wohnzimmer hängen...


Und mea culpa, hin und wieder erwische ich mich, wie ich beim Zappen hängen bleibe, wenn Stierkämpfe übertragen werden, aber nicht um den Stier sterben zu sehen, nein, ich warte auf einen schwulen Stier.